Was kosten Katze?
Mit dieser Frage beginnt so mancher Anrufer, der sich 
für einen unserer zur Vermittlung anstehenden Stubentiger interessiert. Meine lapidare Antwort auf eine solche 
Frage ist meist auch immer gleich: „Tut mir leid, aber 
wir verkaufen keine Katzen."

Sicherlich ist die Schutzgebühr für die Abgabe eines 
Tieres wichtig, diese sollte aber bei einem Interessenten für ein Tier nicht im Vordergrund stehen.
Leider haben so manche Menschen immer noch eine falsche Vorstellung über das Wirken und Handeln einer Tierschutzorganisation.
Viele Tierheime bzw. Tierschutzvereine beherbergen eine Vielzahl von Katzen, die ein neues Zuhause suchen. „Ihr müsstet doch eigentlich froh sein, wenn Ihr eine eurer Katzen verkaufen könnt und loswerdet", sagte mir letztlich ein Interessent. „Sicherlich", antwortete ich, „aber doch nicht an jeden nächst Besten."
Es ist die Verpflichtung eines Tierschützers, dass ein ihm anvertrautes Tier nur an einen Halter weitergegeben wird, der die menschlichen und räumlichen Voraussetzungen erfüllt, auch weiterhin gewissenhaft und gut für das Tier 
zu sorgen.

So kommt es immer wieder zu Vorgängen, die uns in unserem Tun bestätigen.

  • Eine Dame, die bei uns anrief und sich für eine 
    Katze interessierte, da Ihre letzten drei Katzen innerhalb eines Jahres alle überfahren wurden. Sie wohnte in der Innenstadt direkt an einer verkehrsträchtigen Strasse und gestatte den Katzen Freigang. Nun sollte die „Verkehrstauglichkeit" an einer vierten Katze getestet werden.
     
  • Ein Herr, der uns besuchte und einen unserer Pfleglinge gleich mitnehmen wollte. Zu diesem Zwecke hatte er einen leeren Schuhkarton dabei und im Deckel Luftlöcher angebracht. Außerdem wollte er uns überzeugen, dass man Katzen am besten nur mit rohem Fleisch füttern sollte, da man sich dadurch den Tierarzt sparen könne, für den er so wie so kein Geld übrig hat.
     
  • Ein Paar, mit zwei Kleinkindern, das eine zwei Zimmer Wohnung bewohnte und außerdem noch 
    zwei große Hunde beherbergte, interessierte sich 
    für ein kleines Kätzchen von uns.
     
  • Ein junger Mann, der seiner Freundin zum 
    Geburtstag ein kleines Kätzchen schenken wollte 
    und uns ernsthaft fragte, ob er diese in einem 
    Karton einpacken dürfe.
     
  • Eine Dame, die ein sehr junges und kleines Kätzchen haben wollte am besten unter 6 Wochen. Als ich erklärte, das Katzen von uns frühestens ab der 12. Lebenswoche abgegeben werden, war Ihre Antwort, „Na dann muss ich mir halt eine vom Bauernhof holen, dort zickt man nicht so rum wie bei Euch". Meine Argumentation, das wir bei einer Lebenserwartung von etwa 20 Jahre die eine gesunde Katze durchschnittlich hat, über einen Zeitraum von 6 Wochen diskutieren, wollte Sie schon gar nicht mehr hören.
Ich könnte noch über viele solcher Erlebnisse berichten, die uns letztendlich sensibilisieren, genau darauf zu achten, in welche Hände unsere Tiere gelangen.

Eine Befragung des Interessenten, eine Vorkontrolle, ein Schutzvertrag bei dem nur die Halterschaft über das Tier und nicht das Eigentum abgegeben wird, sowie Nachkontrollen, sind alles Maßnahmen die uns die größtmöglichste Sicherheit geben, die richtige Entscheidung zu treffen.

„Da ist es ja leichter ein Kind zu adoptieren, als dass ich von Euch eine Katze bekomme", hörte ich unlängst von einem Interessenten.
Das ist sicherlich übertrieben, jedoch muss jedem bewusst sein, dass es sich bei den von uns abzugebenden Tieren um Lebewesen handelt, über deren weiteres Schicksal wir entscheiden.
Diese Entscheidung darf nicht leichtfertig erfolgen, ist sorgfältig zu prüfen und nach besten Wissen und Gewissen zum Wohle des Tieres zu treffen.

Ob es darum geht, dass ein kleines Kätzchen alleine in einem Haushalt leben soll, da Ihre Menschen berufstätig sind, es sich langweilt, unsauber wird und letztendlich wieder zu uns zurückkommt.
Oder ob ein kleines Kätzchen in eine Familie mit Kleinkindern aufgenommen werden soll, die dann vielleicht schreiend hinter dem kleinen Kätzchen herlaufen und spielen, wer es als erstes am Schwanz ziehen kann.
Wir müssen in solchen Fällen ablehnen.
Habt daher bitte Verständnis, liebe Tierfreunde, dass wir vor einer Entscheidung der Abgabe genau prüfen wem wir unser Tier anvertrauen und wohin es geht.

Sicherlich ist mir bewusst, dass alle die eine Katze suchen und von uns abgelehnt werden, sich sehr einfach ein Tier von anderer Stelle beschaffen können. Die Zeitungen sind immer voll von Inseraten die da lauten:
„Junge Kätzchen zu verschenken".

In der Hoffnung, dass sich auch dieses irgendwann ändern wird, werde ich auch dem nächsten Anrufer, der mit den Worten beginnt „Was kosten Katze?" wieder erklären müssen, dass ein so liebes Lebewesen eigentlich unbezahlbar ist.

Ihr
Robert Derbeck