„Das
ist des Jägers Ehrenschild, dass Gott er ehrt in seinem Wild.“
So zitieren Jäger poetisch, wenn Sie im Herbst das Schießgewehr von
der Wand nehmen.
Ich habe auch einmal eine Jagd mitgemacht; es ist schon lange her, aber
ich glaube, ich werde diese Jagd nie vergessen.
Das war in der reizenden kleinen Stadt Ottmachau in Oberschlesien, wo
ich als Student zu Besuch bei einem Verwandten wohnte. Die
Rittergutsbesitzer und die Gutspächter veranstalteten eine große
Treibjagd auf Hasen und Rebhühner, was man, wenn mein Gedächtnis mich
nicht trügt, in Schlesien Kleckerjagd nennt.
Zu
diesem Jagdvergnügen hatten die Herren auch einige Intellektuelle aus
der Stadt eingeladen, nämlich den Pfarrer, den Apotheker, den
Photographen und mich.
Natürlich
sollten wir Intellektuellen nicht etwa schießen, das konnte
keiner von uns, sondern wir funktionierten als Treiber. Das heißt, wir
gingen in einer Reihe über das Feld und bewegten allein durch unsere
Erscheinung die Hasen zum Fortlaufen und die Rebhühner zum Auffliegen.
Denn die Hasen und die Rebhühner sind so dumm, dass sie sich vor
Intellektuellen fürchten.
Bei
dieser Jagd habe ich zum ersten Mal erfahren, dass die Hasen schreien können.
Weil der Hase, wenn er gespickt auf der Bratenschüssel liegt, sich ganz
still zu verhalten pflegt, deshalb glauben wir, er habe keine Stimme.
Aber
der Hase, den der Herr Oberamtmann an den Hinterläufen hochhielt, der
schrie wie ein kleines Kind. „Halts Maul, dummes Luder“, sagte der
Herr Oberamtmann und hieb mit seinem Krückstock dem Hasen das Genick
entzwei. Und daraufhin hielt das dumme Luder in der Tat das Maul.
Beim
Rückweg sagte der Oberamtmann zu mir: „Nun junger Mann, Sie möchten
gewiss auch gerne einen Schuss abgeben, da schießen Sie einmal den
Vogel dort aus den Telegrafendrähten herunter!“
In
den Telegrafendrähten der Eisenbahn saß eine Goldammer. Sie blickte in
die untergehende Sonne und sang Ihr Abendlied, in voller Inbrunst aus
Ihrem kleinen schlagenden Herzen heraus, bot also ein vortreffliches
Schussobjekt, namentlich für Schrot. Ich nahm das Gewehr des Herrn
Oberamtmann, zielte und schoss, und die Goldammer fiel wie ein Stein in
die Brombeeren. Dort blieb sie liegen, denn erstens lohnte es sich
nicht, eine tote Goldammer aus den Brombeeren zu suchen und zweitens
hatten die Herren Eile, um zu ihrem Abendbrot und zum Jagdskat zu
kommen.
Das
ist jetzt viele Jahre her. Seitdem hat mich das Leben gezaust und
geschlagen und herumgetrieben.
Aber ich habe noch immer nicht genug Prügel bekommen.