Trennungsangst 

von Frauke Loup und Perdita Lübbe-Scheuermann


Was bedeutet eigentlich Trennungsangst?


Hunde sind sozial lebende Tiere und entwickeln untereinander starke Bindungen. Diese sind in der Natur notwendig, um das Überleben des Rudels zu sichern, denn es ist erfolgreicher gemeinsam zu jagen und für die Aufzucht der Jungen zu sorgen. Auch zum Menschen kann sich eine sehr starke Bindung entwickeln, wenn dieser als Sozialpartner akzeptiert wird. Durch diese Basis wird das enge Zusammenleben zwischen Mensch und Hund überhaupt erst möglich. Doch was in der Natur zweckmäßig ist, kann im Umgang mit dem Haushund problematisch werden. Die Gruppe bietet dem einzelnen Tier Schutz und Sicherheit, also ist auch der Haushund bestrebt, bei seiner Gruppe zu bleiben. Im Fall einer Trennung wird der Hund sich bemühen, den Kontakt zu seinen Sozialpartnern wieder herzustellen. Hunde können hierbei eine große Palette von Verhaltensweisen zeigen, wie verstärkte Aktivität, aktive Suche, Lautäußerungen verschiedener Art, z.B. jaulen, bellen, winseln. Weiterhin tritt häufig destruktives Verhalten auf, was sich in der Zerstörung von herumliegenden Gegenständen oder Barrieren (Türen) äußert. Andere Hunde können ihren Harn- und Kotabsatz nicht mehr kontrollieren, obwohl sie ansonsten stubenrein sind. Auch Speicheln und Zittern können als Symptome auftreten, wenn der Hund alleine ist.


Damit Trennungsangst erst gar nicht entsteht

Zeigt der Hund die genannten Auffälligkeiten, sobald er alleine ist, so ist das also im Prinzip ein natürliches Verhalten. Er will sich nicht an seinen Besitzern „rächen“, wie man häufig von Hundehaltern hört, deren Hund in ihrer Abwesenheit die Wohnungseinrichtung demoliert und das Haus zusammenheult. Stattdessen versucht der Hund ganz einfach die durch die Trennung entstandene Anspannung auf seine Art und Weise abzubauen. Allerdings erschwert solches Verhalten natürlich enorm das Zusammenleben von Mensch und Hund. Denn wer kann seinem Tier schon 24 Stunden zur Verfügung stehen? Der Hund kann aber lernen, alleine zu bleiben - je früher mit dem Training begonnen wird, umso besser. Man sollte nicht davon ausgehen, dass der Hund das Alleinbleiben mit zunehmendem Alter quasi von selbst lernt. Bereits der Welpe kann lernen, dass er seinem Menschen nicht auf Schritt und Tritt folgen kann. Hat sich der Hund ein paar Tage eingewöhnt, so kann relativ schnell damit begonnen werden, indem man ihn zunächst in einem Zimmer lässt, obwohl der Mensch woanders in der Wohnung ist. Diese Übung kann mehrmals am Tag wiederholt werden, wobei hier gilt: Lieber kurz und häufig, als einmal und lange! Beachtet werden sollte hierbei, dass die Übung wie nebenbei durchgeführt wird. Für die Besitzer bedeutet das, keine Verabschiedungs- und Begrüßungsszenen durchzuführen, sondern ganz selbstverständlich rein und raus zu gehen, ohne darum ein Aufheben zu machen. Zeigt der Hund große Aufregung, wenn man ins Zimmer zurückkehrt, sollte man ihn zunächst einmal völlig ignorieren, am besten an ihm vorbei gehen und sich mit etwas anderem beschäftigen. Hat sich der Hund dann beruhigt, so kann man sich ihm wieder zuwenden. Beispielsweise ruft man ihn zu sich und streichelt ihn kurz. Dadurch wird der Welpe schnell lernen, dass kein Grund zur Aufregung besteht, sondern dass alles in Ordnung ist. Bleibt der Hund ruhig, so kann die Zeit langsam ausgedehnt werden. Schließlich kann man ihn auch mal ganz alleine im Haus lassen. Beim Welpen ist natürlich darauf zu achten, dass er vorher noch einmal draußen war und sich lösen konnte, weiterhin sollte er satt und relativ müde sein. Manchen Hunden fällt das Alleinbleiben leichter, wenn ihnen alle Räume der Wohnung zur Verfügung stehen. Andere Hunde dagegen fühlen sich sicherer, wenn sie nur in einem Raum sind. In diesem Fall kann eine Zimmerbox (Kennel) hilfreich sein. Zum einen bietet die Box dem Hund einen Ruhe- und Schlafplatz, so dass er ungestört ist. Zum anderen hat der Mensch auch mal Ruhe vor seinem Hund. Von Vorteil ist auch, dass dieser Platz nicht beschmutzt wird und der Welpe sich voraussichtlich meldet, wenn er muss. So kann man nachts beruhigt schlafen, ohne Angst haben zu müssen, dass irgendwelche Einrichtungsgegenstände angeknabbert werden. Natürlich muss der Hund zunächst an diese Box gewöhnt werden. Er sollte keine schlechten Erfahrungen mit ihr machen und nicht als Strafe auf diesen Platz geschickt werden. Der Welpe sollte die Box möglichst von Anfang an kennenlernen, wenn er in seine neue Familie kommt. Am besten füttert man ihn darin und verknüpft diesen Ort mit einem Hörzeichen (z.B. „Korb“). So lernt der Hund, seinen Schlafplatz auf Kommando hin aufzusuchen. Man kann auch erwachsene Hunde problemlos an Kennel gewöhnen. Allerdings dient der Kennel nicht dem stundenlangen Wegsperren des Hundes, er ist lediglich eine Unterstützung während des Alleine-bleiben-Trainings. Hat der Hund den Kennel angenommen, dann kann man bald das Alleinbleiben mit ihm üben, wobei langsam und schrittweise vorgegangen werden sollte. Dies gilt natürlich auch, wenn man das Alleinbleiben ohne Box übt. Das heißt, dass man zunächst nur das Zimmer verlässt. Oder man geht zum Briefkasten oder in den Wäschekeller, ohne den Hund mitzunehmen. Übt man ohne Box, so sollten alle Gegenstände weggeräumt werden, die der Hund zerstören könnte, wie zum Beispiel Schuhe, Plüschtiere, Blumentöpfe. Knabbert er in Ihrer Abwesenheit bestimmte Dinge an, die nicht entfernt werden können (z.B. Stuhlbeine), so kann man diese präparieren, indem man „Bitter Apple“ oder Tabasco oder etwas anderes Überschmeckendes darauf sprüht. Zur Beschäftigung sollte dem Hund ein Kauknochen oder ein Spielzeug angeboten werden. Passiert es dennoch, dass man bei der Rückkehr den guten Teppich zerfetzt vorfindet, dann sollte – auch wenn es schwer fällt – nicht mit dem Hund geschimpft werden. Auch wenn er unterwürfig wirkt und „ein schlechtes Gewissen“ zu haben scheint: er versteht nicht, wofür er in diesem Moment bestraft wird, da seine Tat schon zu lange zurückliegt. Er spürt höchstens die Stimmung, die angesichts des kaputten Teppichs nicht mehr die beste sein wird. Ein Hund kann aber nur dann gestraft werden, wenn man ihn sozusagen „in flagranti“ erwischt. Von Woche zu Woche kann man die Zeit nun minutenweise bis auf zwei Stunden steigern. Im Alter von einem halben Jahr kann damit begonnen werden, dass der Hund bis zu vier Stunden alleine bleibt. Hier sei noch einmal betont: Alleinbleiben sollte für Hunde eigentlich ein Ausnahmezustand sein, denn der Hund als klassisches Rudeltier braucht die Nähe seiner Sozialpartner. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Intervalle von unterschiedlicher Zeitspanne sind, damit sich der Hund nicht an ein festes Schema gewöhnt. Dies betrifft nicht nur die Dauer, sondern auch den Ort. Zum Beispiel kann man den Hund, wenn er im Kennel gut alleine bleibt, auch einmal während des Einkaufens im Auto lassen (natürlich mit geöffnetem Fenster und nur für kurze Zeit). Oder man nimmt ihn mit zum Bäcker und lässt ihn angebunden (in Sichtweite) vor der Tür warten. Es ist sehr unterschiedlich, wie der einzelne Hund mit dem Alleinbleiben zurecht kommt. Manche Tiere verschlafen diese Zeit einfach. Das ist der Idealfall, von dem aber nicht unbedingt auszugehen ist. Grundsätzlich gilt, dass der Hund umso weniger Probleme machen wird, je gefestigter er von seinem Wesen her ist. Hingegen fällt weniger selbstbewussten Hunden das Alleinbleiben oft schwer, da sie die Sicherheit des Menschen brauchen. Ist dieser Mensch nicht in der Nähe, so geraten solche Tiere in Stress. Wenn Hunde jaulen, winseln oder an der Tür kratzen, dann ist es wichtig, dass man in diesen Momenten nicht zum Hund geht, gar tröstend auf ihn einredet und ihn „befreit“. So lernt der Hund, dass er nur laut werden muss, damit der Mensch zurückkommt und ihn aus seiner Einsamkeit erlöst. Aus diesem Grund sollte er, auch wenn er bellt, zunächst nicht ermahnt werden, da er ja sonst trotzdem sein Ziel erreicht hat, nämlich seinen Menschen wiederzuhaben. Auch wenn ein Hund aus Angst vor dem Alleinbleiben jault, sollte er nicht zurechtgewiesen werden, da sich seine Angst sonst nur verstärken wird, was für das Verhältnis zwischen Mensch und Hund nicht unbedingt förderlich ist. Lautäußerungen des Hundes sollten stattdessen zunächst ignoriert werden. Hört er jedoch zwischendurch auf zu jammern, dann kann man wieder zurückgehen. Hierbei sollte man beachten, dass man auch dann den Hund nicht übermäßig viel lobt und ihm besonders viel Aufmerksamkeit schenkt, um seine innere Anspannung nicht noch zu verstärken. Schließlich möchte man ja ganz selbstverständlich kommen und gehen können und deswegen sollte dem Hund durch die eigene Gelassenheit signalisiert werden, dass alles seine Richtigkeit hat.

Hunde, die bereits unter Trennungsangst leiden

Es gibt viele erwachsene Hunde, die beim Alleinebleiben Verhaltensauffälligkeiten zeigen. Zum einen gibt es Tiere, die wirkliche Angst vor dem Alleinbleiben haben. Oft liegt das daran, dass sie das Alleinsein nie gelernt haben. Da sie sozial lebende Tiere sind und deswegen auf den Rudelverband angewiesen sind, ist ihre Angst im Prinzip eine ganz natürliche Reaktion. Weiterhin kann Trennungsangst dann bei Hunden auftreten, wenn es in ihrem Umfeld zu einschneidenden Veränderungen kam. Probleme können auftreten, wenn Hunde im Tierheim waren und an neue Besitzer vermittelt wurden. Auslöser sind auch Veränderungen in der bestehenden Familienstruktur, wie Auszug oder Tod eines Familienmitgliedes, plötzliche Änderung des Tagesablaufs durch Aufnahme eines neuen Arbeitsverhältnisses, Aufenthalt in einer Tierpension, Alleinbleiben nach dem Urlaub usw. Im Zusammenhang mit der Trennungsangst können medizinisch bedeutsame Symptome auftreten: So ist häufig die Herzschlagfrequenz erhöht und andere zentral gesteuerte Funktionszentren des Körpers geben vermehrte oder verminderte Signale ab, so dass es zu verstärktem Speichelfluss, unkontrolliertem Harn- und Kotabsatz sowie zu Erbrechen kommen kann. Die entstehende Anspannung ist die Ursache für unerwünschte Verhaltensweisen, denn der Körper muss sie irgendwie abbauen. Ungeklärt ist allerdings, warum einige Hunde mit dem Zerbeißen von Gegenständen reagieren, andere aber mit Kratzen an Türen und Fenstern oder mit Verlust der Kontrollfunktion der Schließmuskeln. Für die Therapie ist das allerdings auch nebensächlich. Hunde, die Angstzustände haben, wenn der Besitzer nicht mehr in der Nähe ist, sind meist eher unsichere Tiere. Wenn die Besitzer anwesend sind, so scheinen sie am Menschen zu kleben, d.h., sie sind extrem anhänglich und folgen dem Menschen überall hin. Anders ausgedrückt: Je enger die Bindung ist, umso mehr fehlt dem Hund der Mensch, wenn der Hund allein gelassen ist. Es gibt aber auch Hunde, welche im Prinzip gefestigt sind, die aber dennoch Verhaltensauffälligkeiten beim Alleinsein zeigen. Sie haben im Grunde genommen keine Angst, sondern wollen ganz einfach nicht allein sein. Oft stehen sie in der Familie im Mittelpunkt und erhalten eine ganze Reihe von Privilegien. Die Therapie von Hunden, welche Probleme mit dem Alleinsein aufweisen, kann sehr aufwendig sein, je nachdem wie viel Zeit man sich zum Üben nehmen kann. Trainiert man konsequent und regelmäßig, so ist andererseits schon bald ein Erfolg zu verzeichnen. In den meisten Fällen beginnen die Symptome in den ersten Minuten nach dem Verlassen des Hundes und steigern sich während der ersten halben Stunde noch. Wenn der Hund eine halbe Stunde allein bleibt, dann kann anschließend die Zeitdauer relativ schnell ausgedehnt werden. Bevor eine Verhaltenstherapie begonnen wird, sollte zunächst das Mensch-Hund-Verhältnis überprüft werden: - Folgt der Hund dem Besitzer sozusagen auf Schritt und Tritt? - Wird er überall mit hingenommen? - Welche Privilegien hat der Hund? Geht der Mensch meist auf seine Forderungen (z.B. Schmusen, Spielen) ein? Beachtet werden sollte vor allem, dass sowohl Spiel-, als auch Schmuseeinheiten immer vom Mensch initiiert werden. Der Hund darf auch während der Anwesenheit des Besitzers nicht permanent Aufmerksamkeit erfahren. Ansonsten kann es passieren, dass Probleme auftreten, wenn der Hund viel Zeit mit dem Menschen verbringen konnte und plötzlich wieder längere Zeit alleine bleiben muss (z.B. nach einem Urlaub oder nach dem Wochenende). Man sollte also daran denken, immer wieder Distanz zu schaffen, auch dann, wenn man den Hund nicht unbedingt allein lassen müsste. Das bedeutet, dass der Hund mehrmals am Tag in einem Zimmer alleine gelassen wird, so dass eine Tür zwischen ihm und dem Mensch ist. Diese Übung sollte auch mit einem Tierheimhund von Anbeginn durchgeführt werden, damit er sich erst gar nicht daran gewöhnt, den Mensch immer um sich zu haben. Hierbei gilt, was bereits für die Übungen mit dem Welpen genannt wurde: Wenn der Hund winselt und an der Tür kratzt, so sollte man den Raum nicht betreten, sondern warten, bis nichts mehr vom Hund zu hören ist. Gibt der Hund aus Angst heraus Lautäußerungen (z.B. heulen und jammern) von sich, so sollte der Hund nie beruhigt werden, um seine Angstgefühle nicht zu belohnen. Auch das Schimpfen muss man unterdrücken, denn Angst kann nicht bestraft werden, ansonsten würde die Unsicherheit des Hundes nur noch verstärkt werden. Bellt der Hund dagegen und zeigt keine Angstsymptome, dann sollte er hierfür zurechtgewiesen werden. Verhält er sich hingegen ruhig, so wird er gelobt. Häufig wird Bellen durch externe Stimuli ausgelöst, z.B. Geräusche im Treppenhaus oder Klingeln an der Tür. Dieses Verhalten tritt aber in der Regel auch während der Präsenz des Menschen in der Wohnung auf, so dass es hier vonnöten ist, diese Unart schon während der Anwesenheit zu unterbrechen. Man sollte darauf achten, dass man das Zimmer bzw. die Wohnung verlässt, ohne sich vom Hund zu verabschieden und ohne ihn bei der Rückkehr zu begrüßen, um die Aufregung des Tieres nicht noch zu verstärken. Weiterhin kann ein sogenanntes Unabhängigkeitstraining durchgeführt werden. Man bringt dem Hund bei, auf das Hörzeichen „Bleib“ auf seiner Decke zu liegen, bis man zu ihm zurückgeht, lobt und dann mit „Lauf“ wieder „auflöst“. Auch während des Spaziergangs kann diese Übung durchgeführt werden, d.h., der Hund erhält das Hörzeichen „Sitz“ oder „Platz“, dann entfernt sich der Besitzer (zunächst nur wenige Schritte) und lässt den Hund nach erfolgreicher Absolvierung wieder laufen. Steht der Hund zwischendurch auf, so wird er an die entsprechende Stelle zurückgebracht und gibt ihm dort erneut das entsprechende Hörzeichen. Loben im Anschluss an das ausgeführte Hörzeichen bitte nicht vergessen!!! Klappt dies gut, so wird langsam die Entfernung zum Hund und die Zeitdauer gesteigert. Wenn man mit dem Hund schließlich das Alleinbleiben im Haus übt, so ist darauf zu achten, dass das Tier einigermaßen satt und vor allem müde ist. Der Hund muss körperlich und geistig genügend ausgelastet sein. Zum einen braucht er natürlich ausreichend Bewegung. Hierbei ist jedoch zu bedenken, dass der Hund sehr schnell viel Kondition bekommen kann. Lässt man ihn zum Beispiel täglich neben dem Fahrrad laufen, so wird er mit der Zeit mehr und mehr Auslauf brauchen. Deshalb braucht er zum anderen etwas, das ihn kopfmäßig auslastet. Man kann dem Hund beispielsweise verschiedene Kunststücke beibringen, mit ihm Agility machen oder ihn Packtaschen tragen lassen. Auch Futtersuchspiele bieten Abwechslung, da der Hund hierbei das Fressen nicht einfach aus seiner Schüssel erhält, sondern es sich quasi erarbeiten muss. Hierbei rollt man ein Leckerlie zunächst über einen Weg vom Hund weg, so dass er es noch mit den Augen verfolgen kann. Mit „Such“ darf er es sich dann holen. Hat der Hund diese Übung begriffen, dann wird der Schwierigkeitsgrad erhöht, indem der Hund die Leckerlies beispielsweise in einer Wiese suchen soll. Für die Zeit des Alleinseins kann dem Hund ein Kauknochen, ein Ochsenziemer, sein Lieblingsspielzeug oder Ähnliches angeboten werden, damit er beschäftigt ist. Wenn der Hund ein guter Fresser ist, dann lenkt ihn wahrscheinlich auch ein Futterball ab. Man kann Trockenfutter einfüllen, welches herausfällt, wenn der Ball über den Boden gerollt wird. Wenn man das Alleinbleiben im Haus übt, sollte zunächst mit kurzen Zeitintervallen begonnen werden. Das kann bedeuten, dass man mit einer halben oder einer Minute beginnt, abhängig davon, wie lange der Hund ruhig bleibt. Er sollte, wenn irgend möglich, nicht mehr in sein altes Muster verfallen, d.h., anfangen zu heulen oder an der Tür zu kratzen. Man versucht also den bisherigen Kreislauf zu durchbrechen, indem man so langsam oder schnell vorgeht, wie es dem Hund möglich ist. Muss man das Haus in dieser Trainingsphase für längere Zeit verlassen, so sollte ein "Hundesitter" engagiert werden, um den Hund nicht zu überfordern. Soll der Hund alleine gelassen werden, so ist es ratsam, ihm ca. eine halbe Stunde vorher bereits keine Aufmerksamkeit mehr zu schenken, damit der Kontrast zwischen An- und Abwesenheit der Besitzer möglichst klein gehalten wird. Hilfreich kann es sein, wenn man dem Hund ein getragenes Kleidungsstück hinlegt, was nach dem Besitzer riecht. Auch kann man eine Kassette laufen lassen, welche von den Besitzern besprochen wurde. Manchmal reicht es auch aus, das Radio oder den Fernseher anzustellen. Wichtig ist es, bestehende Schemata zu durchbrechen. Man hat oft bestimmte Rituale, bevor man die Wohnung verlässt. Hunde lernen ganz schnell, dass man bald aufbrechen wird, wenn man die Jacke und Schuhe anzieht und die Tasche packt. Diese Muster gilt es durcheinander zu bringen, damit der Hund nicht schon während der Vorbereitungen in Aufregung gerät. Hierfür nimmt man den Schlüssel immer wieder zwischendurch für den Hund sichtbar in die Hand, setzt sich dann aber an den Esstisch. Oder man zieht Schuhe und Jacke an und setzt sich so vor den Fernseher. Auf diese Weise lernt der Hund, dass bestimmt Signale nicht unbedingt „verlassen-werden“ bedeuten. Auch kann man die Tasche schon eine Stunde vorher ins Auto bringen und die Schuhe lange vorher anziehen, ehe man tatsächlich aus dem Haus geht. Begleitung durch einen Tierarzt parallel zum Verhaltenstraining kann den Lernprozess unterstützen und beschleunigen. Zunächst sollte hierbei eine Behandlung mit Bachblüten in Betracht gezogen werden. In sehr schwierigen Fällen kann eine medikamentöse Behandlung hilfreich sein, wobei sedierende Wirkstoffe nicht verwendet werden sollten. Sie helfen nur kurzfristig und schränken das Lernverhalten des Hundes ein, so dass kein Langzeiterfolg zu verzeichnen ist. Stattdessen sollte man sich beim Tierarzt über Antidepressiva informieren. Diese bewirken, dass der Hund alles ein bisschen gelassener und ruhiger sieht. Je nach Präparat können aber verschiedene Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit oder Erbrechen die Folge sein. In der Regel dauert es ca. vier Wochen, bis erste Effekte der Behandlung zu erkennen sind. Auch dann sollte die Therapie so lange weiter durchgeführt werden, bis sich das Verhalten des Hundes stabilisiert hat. Man muss sich aber im Klaren darüber sein, dass die Wirkstoffe nie das bestehende Problem heilen, sondern dem Hundehalter lediglich ermöglichen, besser auf das Tier einzuwirken. Weiterhin muss man sich verdeutlichen, dass ein Rückfall jederzeit wieder möglich ist. Das kann vor allem dann der Fall sein, wenn es zu einschneidenden Veränderungen kommt (Umzug, Unterbringung in einer Tierpension usw.). Der Hund sollte hierauf so gut wie möglich vorbereitet werden. Wir wünschen Ihnen alles Liebe für sich und Ihren Vierbeiner!

Übernommen mit der freundlichen Genehmigung von Frau Perdita Lübbe-Scheuermann von der Hunde Akademie Gundernhausen