|
Was bedeutet eigentlich Trennungsangst?
Hunde sind sozial lebende Tiere und entwickeln untereinander starke Bindungen.
Diese sind in der Natur notwendig, um das Überleben des Rudels zu sichern,
denn es ist erfolgreicher gemeinsam zu jagen und für die Aufzucht der Jungen
zu sorgen. Auch zum Menschen kann sich eine sehr starke Bindung entwickeln,
wenn dieser als Sozialpartner akzeptiert wird. Durch diese Basis wird das enge
Zusammenleben zwischen Mensch und Hund überhaupt erst möglich. Doch was in
der Natur zweckmäßig ist, kann im Umgang mit dem Haushund problematisch
werden. Die Gruppe bietet dem einzelnen Tier Schutz und Sicherheit, also ist
auch der Haushund bestrebt, bei seiner Gruppe zu bleiben. Im Fall einer
Trennung wird der Hund sich bemühen, den Kontakt zu seinen Sozialpartnern
wieder herzustellen. Hunde können hierbei eine große Palette von
Verhaltensweisen zeigen, wie verstärkte Aktivität, aktive Suche, Lautäußerungen
verschiedener Art, z.B. jaulen, bellen, winseln. Weiterhin tritt häufig
destruktives Verhalten auf, was sich in der Zerstörung von herumliegenden
Gegenständen oder Barrieren (Türen) äußert. Andere Hunde können ihren
Harn- und Kotabsatz nicht mehr kontrollieren, obwohl sie ansonsten stubenrein
sind. Auch Speicheln und Zittern können als Symptome auftreten, wenn der Hund
alleine ist.
Damit Trennungsangst erst gar nicht entsteht
Zeigt der Hund die genannten Auffälligkeiten, sobald er alleine ist, so ist
das also im Prinzip ein natürliches Verhalten. Er will sich nicht an seinen
Besitzern „rächen“, wie man häufig von Hundehaltern hört, deren Hund in
ihrer Abwesenheit die Wohnungseinrichtung demoliert und das Haus
zusammenheult. Stattdessen versucht der Hund ganz einfach die durch die
Trennung entstandene Anspannung auf seine Art und Weise abzubauen. Allerdings
erschwert solches Verhalten natürlich enorm das Zusammenleben von Mensch und
Hund. Denn wer kann seinem Tier schon 24 Stunden zur Verfügung stehen? Der
Hund kann aber lernen, alleine zu bleiben - je früher mit dem Training
begonnen wird, umso besser. Man sollte nicht davon ausgehen, dass der Hund das
Alleinbleiben mit zunehmendem Alter quasi von selbst lernt. Bereits der Welpe
kann lernen, dass er seinem Menschen nicht auf Schritt und Tritt folgen kann.
Hat sich der Hund ein paar Tage eingewöhnt, so kann relativ schnell damit
begonnen werden, indem man ihn zunächst in einem Zimmer lässt, obwohl der
Mensch woanders in der Wohnung ist. Diese Übung kann mehrmals am Tag
wiederholt werden, wobei hier gilt: Lieber kurz und häufig, als einmal und
lange! Beachtet werden sollte hierbei, dass die Übung wie nebenbei durchgeführt
wird. Für die Besitzer bedeutet das, keine Verabschiedungs- und Begrüßungsszenen
durchzuführen, sondern ganz selbstverständlich rein und raus zu gehen, ohne
darum ein Aufheben zu machen. Zeigt der Hund große Aufregung, wenn man ins
Zimmer zurückkehrt, sollte man ihn zunächst einmal völlig ignorieren, am
besten an ihm vorbei gehen und sich mit etwas anderem beschäftigen. Hat sich
der Hund dann beruhigt, so kann man sich ihm wieder zuwenden. Beispielsweise
ruft man ihn zu sich und streichelt ihn kurz. Dadurch wird der Welpe schnell
lernen, dass kein Grund zur Aufregung besteht, sondern dass alles in Ordnung
ist. Bleibt der Hund ruhig, so kann die Zeit langsam ausgedehnt werden. Schließlich
kann man ihn auch mal ganz alleine im Haus lassen. Beim Welpen ist natürlich
darauf zu achten, dass er vorher noch einmal draußen war und sich lösen
konnte, weiterhin sollte er satt und relativ müde sein. Manchen Hunden fällt
das Alleinbleiben leichter, wenn ihnen alle Räume der Wohnung zur Verfügung
stehen. Andere Hunde dagegen fühlen sich sicherer, wenn sie nur in einem Raum
sind. In diesem Fall kann eine Zimmerbox (Kennel) hilfreich sein. Zum einen
bietet die Box dem Hund einen Ruhe- und Schlafplatz, so dass er ungestört
ist. Zum anderen hat der Mensch auch mal Ruhe vor seinem Hund. Von Vorteil ist
auch, dass dieser Platz nicht beschmutzt wird und der Welpe sich
voraussichtlich meldet, wenn er muss. So kann man nachts beruhigt schlafen,
ohne Angst haben zu müssen, dass irgendwelche Einrichtungsgegenstände
angeknabbert werden. Natürlich muss der Hund zunächst an diese Box gewöhnt
werden. Er sollte keine schlechten Erfahrungen mit ihr machen und nicht als
Strafe auf diesen Platz geschickt werden. Der Welpe sollte die Box möglichst
von Anfang an kennenlernen, wenn er in seine neue Familie kommt. Am besten füttert
man ihn darin und verknüpft diesen Ort mit einem Hörzeichen (z.B.
„Korb“). So lernt der Hund, seinen Schlafplatz auf Kommando hin
aufzusuchen. Man kann auch erwachsene Hunde problemlos an Kennel gewöhnen.
Allerdings dient der Kennel nicht dem stundenlangen Wegsperren des Hundes, er
ist lediglich eine Unterstützung während des Alleine-bleiben-Trainings. Hat
der Hund den Kennel angenommen, dann kann man bald das Alleinbleiben mit ihm
üben, wobei langsam und schrittweise vorgegangen werden sollte. Dies gilt natürlich
auch, wenn man das Alleinbleiben ohne Box übt. Das heißt, dass man zunächst
nur das Zimmer verlässt. Oder man geht zum Briefkasten oder in den Wäschekeller,
ohne den Hund mitzunehmen. Übt man ohne Box, so sollten alle Gegenstände
weggeräumt werden, die der Hund zerstören könnte, wie zum Beispiel Schuhe,
Plüschtiere, Blumentöpfe. Knabbert er in Ihrer Abwesenheit bestimmte Dinge
an, die nicht entfernt werden können (z.B. Stuhlbeine), so kann man diese präparieren,
indem man „Bitter Apple“ oder Tabasco oder etwas anderes Überschmeckendes
darauf sprüht. Zur Beschäftigung sollte dem Hund ein Kauknochen oder ein
Spielzeug angeboten werden. Passiert es dennoch, dass man bei der Rückkehr
den guten Teppich zerfetzt vorfindet, dann sollte – auch wenn es schwer fällt
– nicht mit dem Hund geschimpft werden. Auch wenn er unterwürfig wirkt und
„ein schlechtes Gewissen“ zu haben scheint: er versteht nicht, wofür er
in diesem Moment bestraft wird, da seine Tat schon zu lange zurückliegt. Er
spürt höchstens die Stimmung, die angesichts des kaputten Teppichs nicht
mehr die beste sein wird. Ein Hund kann aber nur dann gestraft werden, wenn
man ihn sozusagen „in flagranti“ erwischt. Von Woche zu Woche kann man die
Zeit nun minutenweise bis auf zwei Stunden steigern. Im Alter von einem halben
Jahr kann damit begonnen werden, dass der Hund bis zu vier Stunden alleine
bleibt. Hier sei noch einmal betont: Alleinbleiben sollte für Hunde
eigentlich ein Ausnahmezustand sein, denn der Hund als klassisches Rudeltier
braucht die Nähe seiner Sozialpartner. Hierbei ist darauf zu achten, dass die
Intervalle von unterschiedlicher Zeitspanne sind, damit sich der Hund nicht an
ein festes Schema gewöhnt. Dies betrifft nicht nur die Dauer, sondern auch
den Ort. Zum Beispiel kann man den Hund, wenn er im Kennel gut alleine bleibt,
auch einmal während des Einkaufens im Auto lassen (natürlich mit geöffnetem
Fenster und nur für kurze Zeit). Oder man nimmt ihn mit zum Bäcker und lässt
ihn angebunden (in Sichtweite) vor der Tür warten. Es ist sehr
unterschiedlich, wie der einzelne Hund mit dem Alleinbleiben zurecht kommt.
Manche Tiere verschlafen diese Zeit einfach. Das ist der Idealfall, von dem
aber nicht unbedingt auszugehen ist. Grundsätzlich gilt, dass der Hund umso
weniger Probleme machen wird, je gefestigter er von seinem Wesen her ist.
Hingegen fällt weniger selbstbewussten Hunden das Alleinbleiben oft schwer,
da sie die Sicherheit des Menschen brauchen. Ist dieser Mensch nicht in der Nähe,
so geraten solche Tiere in Stress. Wenn Hunde jaulen, winseln oder an der Tür
kratzen, dann ist es wichtig, dass man in diesen Momenten nicht zum Hund geht,
gar tröstend auf ihn einredet und ihn „befreit“. So lernt der Hund, dass
er nur laut werden muss, damit der Mensch zurückkommt und ihn aus seiner
Einsamkeit erlöst. Aus diesem Grund sollte er, auch wenn er bellt, zunächst
nicht ermahnt werden, da er ja sonst trotzdem sein Ziel erreicht hat, nämlich
seinen Menschen wiederzuhaben. Auch wenn ein Hund aus Angst vor dem
Alleinbleiben jault, sollte er nicht zurechtgewiesen werden, da sich seine
Angst sonst nur verstärken wird, was für das Verhältnis zwischen Mensch und
Hund nicht unbedingt förderlich ist. Lautäußerungen des Hundes sollten
stattdessen zunächst ignoriert werden. Hört er jedoch zwischendurch auf zu
jammern, dann kann man wieder zurückgehen. Hierbei sollte man beachten, dass
man auch dann den Hund nicht übermäßig viel lobt und ihm besonders viel
Aufmerksamkeit schenkt, um seine innere Anspannung nicht noch zu verstärken.
Schließlich möchte man ja ganz selbstverständlich kommen und gehen können
und deswegen sollte dem Hund durch die eigene Gelassenheit signalisiert
werden, dass alles seine Richtigkeit hat.
Hunde, die bereits unter Trennungsangst leiden
Es gibt viele erwachsene Hunde, die beim Alleinebleiben Verhaltensauffälligkeiten
zeigen. Zum einen gibt es Tiere, die wirkliche Angst vor dem Alleinbleiben
haben. Oft liegt das daran, dass sie das Alleinsein nie gelernt haben. Da sie
sozial lebende Tiere sind und deswegen auf den Rudelverband angewiesen sind,
ist ihre Angst im Prinzip eine ganz natürliche Reaktion. Weiterhin kann
Trennungsangst dann bei Hunden auftreten, wenn es in ihrem Umfeld zu
einschneidenden Veränderungen kam. Probleme können auftreten, wenn Hunde im
Tierheim waren und an neue Besitzer vermittelt wurden. Auslöser sind auch Veränderungen
in der bestehenden Familienstruktur, wie Auszug oder Tod eines
Familienmitgliedes, plötzliche Änderung des Tagesablaufs durch Aufnahme
eines neuen Arbeitsverhältnisses, Aufenthalt in einer Tierpension,
Alleinbleiben nach dem Urlaub usw. Im Zusammenhang mit der Trennungsangst können
medizinisch bedeutsame Symptome auftreten: So ist häufig die
Herzschlagfrequenz erhöht und andere zentral gesteuerte Funktionszentren des
Körpers geben vermehrte oder verminderte Signale ab, so dass es zu verstärktem
Speichelfluss, unkontrolliertem Harn- und Kotabsatz sowie zu Erbrechen kommen
kann. Die entstehende Anspannung ist die Ursache für unerwünschte
Verhaltensweisen, denn der Körper muss sie irgendwie abbauen. Ungeklärt ist
allerdings, warum einige Hunde mit dem Zerbeißen von Gegenständen reagieren,
andere aber mit Kratzen an Türen und Fenstern oder mit Verlust der
Kontrollfunktion der Schließmuskeln. Für die Therapie ist das allerdings
auch nebensächlich. Hunde, die Angstzustände haben, wenn der Besitzer nicht
mehr in der Nähe ist, sind meist eher unsichere Tiere. Wenn die Besitzer
anwesend sind, so scheinen sie am Menschen zu kleben, d.h., sie sind extrem
anhänglich und folgen dem Menschen überall hin. Anders ausgedrückt: Je
enger die Bindung ist, umso mehr fehlt dem Hund der Mensch, wenn der Hund
allein gelassen ist. Es gibt aber auch Hunde, welche im Prinzip gefestigt
sind, die aber dennoch Verhaltensauffälligkeiten beim Alleinsein zeigen. Sie
haben im Grunde genommen keine Angst, sondern wollen ganz einfach nicht allein
sein. Oft stehen sie in der Familie im Mittelpunkt und erhalten eine ganze
Reihe von Privilegien. Die Therapie von Hunden, welche Probleme mit dem
Alleinsein aufweisen, kann sehr aufwendig sein, je nachdem wie viel Zeit man
sich zum Üben nehmen kann. Trainiert man konsequent und regelmäßig, so ist
andererseits schon bald ein Erfolg zu verzeichnen. In den meisten Fällen
beginnen die Symptome in den ersten Minuten nach dem Verlassen des Hundes und
steigern sich während der ersten halben Stunde noch. Wenn der Hund eine halbe
Stunde allein bleibt, dann kann anschließend die Zeitdauer relativ schnell
ausgedehnt werden. Bevor eine Verhaltenstherapie begonnen wird, sollte zunächst
das Mensch-Hund-Verhältnis überprüft werden: - Folgt der Hund dem Besitzer
sozusagen auf Schritt und Tritt? - Wird er überall mit hingenommen? - Welche
Privilegien hat der Hund? Geht der Mensch meist auf seine Forderungen (z.B.
Schmusen, Spielen) ein? Beachtet werden sollte vor allem, dass sowohl Spiel-,
als auch Schmuseeinheiten immer vom Mensch initiiert werden. Der Hund darf
auch während der Anwesenheit des Besitzers nicht permanent Aufmerksamkeit
erfahren. Ansonsten kann es passieren, dass Probleme auftreten, wenn der Hund
viel Zeit mit dem Menschen verbringen konnte und plötzlich wieder längere
Zeit alleine bleiben muss (z.B. nach einem Urlaub oder nach dem Wochenende).
Man sollte also daran denken, immer wieder Distanz zu schaffen, auch dann,
wenn man den Hund nicht unbedingt allein lassen müsste. Das bedeutet, dass
der Hund mehrmals am Tag in einem Zimmer alleine gelassen wird, so dass eine Tür
zwischen ihm und dem Mensch ist. Diese Übung sollte auch mit einem
Tierheimhund von Anbeginn durchgeführt werden, damit er sich erst gar nicht
daran gewöhnt, den Mensch immer um sich zu haben. Hierbei gilt, was bereits für
die Übungen mit dem Welpen genannt wurde: Wenn der Hund winselt und an der Tür
kratzt, so sollte man den Raum nicht betreten, sondern warten, bis nichts mehr
vom Hund zu hören ist. Gibt der Hund aus Angst heraus Lautäußerungen (z.B.
heulen und jammern) von sich, so sollte der Hund nie beruhigt werden, um seine
Angstgefühle nicht zu belohnen. Auch das Schimpfen muss man unterdrücken,
denn Angst kann nicht bestraft werden, ansonsten würde die Unsicherheit des
Hundes nur noch verstärkt werden. Bellt der Hund dagegen und zeigt keine
Angstsymptome, dann sollte er hierfür zurechtgewiesen werden. Verhält er
sich hingegen ruhig, so wird er gelobt. Häufig wird Bellen durch externe
Stimuli ausgelöst, z.B. Geräusche im Treppenhaus oder Klingeln an der Tür.
Dieses Verhalten tritt aber in der Regel auch während der Präsenz des
Menschen in der Wohnung auf, so dass es hier vonnöten ist, diese Unart schon
während der Anwesenheit zu unterbrechen. Man sollte darauf achten, dass man
das Zimmer bzw. die Wohnung verlässt, ohne sich vom Hund zu verabschieden und
ohne ihn bei der Rückkehr zu begrüßen, um die Aufregung des Tieres nicht
noch zu verstärken. Weiterhin kann ein sogenanntes Unabhängigkeitstraining
durchgeführt werden. Man bringt dem Hund bei, auf das Hörzeichen „Bleib“
auf seiner Decke zu liegen, bis man zu ihm zurückgeht, lobt und dann mit
„Lauf“ wieder „auflöst“. Auch während des Spaziergangs kann diese Übung
durchgeführt werden, d.h., der Hund erhält das Hörzeichen „Sitz“ oder
„Platz“, dann entfernt sich der Besitzer (zunächst nur wenige Schritte)
und lässt den Hund nach erfolgreicher Absolvierung wieder laufen. Steht der
Hund zwischendurch auf, so wird er an die entsprechende Stelle zurückgebracht
und gibt ihm dort erneut das entsprechende Hörzeichen. Loben im Anschluss an
das ausgeführte Hörzeichen bitte nicht vergessen!!! Klappt dies gut, so wird
langsam die Entfernung zum Hund und die Zeitdauer gesteigert. Wenn man mit dem
Hund schließlich das Alleinbleiben im Haus übt, so ist darauf zu achten,
dass das Tier einigermaßen satt und vor allem müde ist. Der Hund muss körperlich
und geistig genügend ausgelastet sein. Zum einen braucht er natürlich
ausreichend Bewegung. Hierbei ist jedoch zu bedenken, dass der Hund sehr
schnell viel Kondition bekommen kann. Lässt man ihn zum Beispiel täglich
neben dem Fahrrad laufen, so wird er mit der Zeit mehr und mehr Auslauf
brauchen. Deshalb braucht er zum anderen etwas, das ihn kopfmäßig auslastet.
Man kann dem Hund beispielsweise verschiedene Kunststücke beibringen, mit ihm
Agility machen oder ihn Packtaschen tragen lassen. Auch Futtersuchspiele
bieten Abwechslung, da der Hund hierbei das Fressen nicht einfach aus seiner
Schüssel erhält, sondern es sich quasi erarbeiten muss. Hierbei rollt man
ein Leckerlie zunächst über einen Weg vom Hund weg, so dass er es noch mit
den Augen verfolgen kann. Mit „Such“ darf er es sich dann holen. Hat der
Hund diese Übung begriffen, dann wird der Schwierigkeitsgrad erhöht, indem
der Hund die Leckerlies beispielsweise in einer Wiese suchen soll. Für die
Zeit des Alleinseins kann dem Hund ein Kauknochen, ein Ochsenziemer, sein
Lieblingsspielzeug oder Ähnliches angeboten werden, damit er beschäftigt
ist. Wenn der Hund ein guter Fresser ist, dann lenkt ihn wahrscheinlich auch
ein Futterball ab. Man kann Trockenfutter einfüllen, welches herausfällt,
wenn der Ball über den Boden gerollt wird. Wenn man das Alleinbleiben im Haus
übt, sollte zunächst mit kurzen Zeitintervallen begonnen werden. Das kann
bedeuten, dass man mit einer halben oder einer Minute beginnt, abhängig
davon, wie lange der Hund ruhig bleibt. Er sollte, wenn irgend möglich, nicht
mehr in sein altes Muster verfallen, d.h., anfangen zu heulen oder an der Tür
zu kratzen. Man versucht also den bisherigen Kreislauf zu durchbrechen, indem
man so langsam oder schnell vorgeht, wie es dem Hund möglich ist. Muss man
das Haus in dieser Trainingsphase für längere Zeit verlassen, so sollte ein
"Hundesitter" engagiert werden, um den Hund nicht zu überfordern.
Soll der Hund alleine gelassen werden, so ist es ratsam, ihm ca. eine halbe
Stunde vorher bereits keine Aufmerksamkeit mehr zu schenken, damit der
Kontrast zwischen An- und Abwesenheit der Besitzer möglichst klein gehalten
wird. Hilfreich kann es sein, wenn man dem Hund ein getragenes Kleidungsstück
hinlegt, was nach dem Besitzer riecht. Auch kann man eine Kassette laufen
lassen, welche von den Besitzern besprochen wurde. Manchmal reicht es auch
aus, das Radio oder den Fernseher anzustellen. Wichtig ist es, bestehende
Schemata zu durchbrechen. Man hat oft bestimmte Rituale, bevor man die Wohnung
verlässt. Hunde lernen ganz schnell, dass man bald aufbrechen wird, wenn man
die Jacke und Schuhe anzieht und die Tasche packt. Diese Muster gilt es
durcheinander zu bringen, damit der Hund nicht schon während der
Vorbereitungen in Aufregung gerät. Hierfür nimmt man den Schlüssel immer
wieder zwischendurch für den Hund sichtbar in die Hand, setzt sich dann aber
an den Esstisch. Oder man zieht Schuhe und Jacke an und setzt sich so vor den
Fernseher. Auf diese Weise lernt der Hund, dass bestimmt Signale nicht
unbedingt „verlassen-werden“ bedeuten. Auch kann man die Tasche schon eine
Stunde vorher ins Auto bringen und die Schuhe lange vorher anziehen, ehe man
tatsächlich aus dem Haus geht. Begleitung durch einen Tierarzt parallel zum
Verhaltenstraining kann den Lernprozess unterstützen und beschleunigen. Zunächst
sollte hierbei eine Behandlung mit Bachblüten in Betracht gezogen werden. In
sehr schwierigen Fällen kann eine medikamentöse Behandlung hilfreich sein,
wobei sedierende Wirkstoffe nicht verwendet werden sollten. Sie helfen nur
kurzfristig und schränken das Lernverhalten des Hundes ein, so dass kein
Langzeiterfolg zu verzeichnen ist. Stattdessen sollte man sich beim Tierarzt
über Antidepressiva informieren. Diese bewirken, dass der Hund alles ein
bisschen gelassener und ruhiger sieht. Je nach Präparat können aber
verschiedene Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit oder Erbrechen die Folge sein.
In der Regel dauert es ca. vier Wochen, bis erste Effekte der Behandlung zu
erkennen sind. Auch dann sollte die Therapie so lange weiter durchgeführt
werden, bis sich das Verhalten des Hundes stabilisiert hat. Man muss sich aber
im Klaren darüber sein, dass die Wirkstoffe nie das bestehende Problem
heilen, sondern dem Hundehalter lediglich ermöglichen, besser auf das Tier
einzuwirken. Weiterhin muss man sich verdeutlichen, dass ein Rückfall
jederzeit wieder möglich ist. Das kann vor allem dann der Fall sein, wenn es
zu einschneidenden Veränderungen kommt (Umzug, Unterbringung in einer
Tierpension usw.). Der Hund sollte hierauf so gut wie möglich vorbereitet
werden. Wir wünschen Ihnen alles Liebe für sich und Ihren Vierbeiner!
|