Erste Hilfe für Hunde und Katzen
von THP TAH Ines Derbeck
 
Diese "Erste Hilfe Anleitungen" ersetzen nicht den Besuch beim TA.
Der Tierschutzverein Noris e.V. und Frau Ines Derbeck übernehmen keinerlei Haftung für die Richtigkeit der gemachten Angaben oder für Schäden, die durch deren Anwendung entstehen!

Suchen Sie in jedem Fall mit ihrem Tier einen TA auf!

 

1. Kreislaufkontrolle

Färbung des Zahnfleisches und der Bindehäute:

Im Normalfall hellrosa,
bei zu schwachem Kreislauf blass rosa bis weißlich.

 
Kapillare Rücklaufzeit:

Mit dem Finger auf das Zahnfleisch drücken, bis unter dem Finger die Schleimhaut weißlich wird. Das Zahnfleisch sollte bei einem stabilen Kreislauf innerhalb von 2 Sek. wieder die ursprüngliche Farbe bekommen.

 
Pulsfrequenz:

Wird innen am Oberschenkel gemessen, indem man die Arterie mit den Fingerkuppen ertastet (fühlt sich an wie eine dicke Sehne) und die Pulsschläge zählt.
Im Normalfall:
Hund: ca. 70 bis 160 Schläge / Minute
Katze: ca. 110 bis 140 Schläge / Minute.

 
Herzfrequenz:

Mit der Handfläche oder den Fingerkuppen (je nach Größe des Tieres), auf der linken Seite des Brustkorbes, direkt unter dem Ellenbogen.
Normalwerte: Siehe Pulsfrequenz

 
Temperaturmessung:

Das Fieberthermometer (am besten digital, da schneller) rektal einführen. Thermometer mit Vaseline (im Notfall auch Creme oder Wasser) gleitfähiger machen.
Normaltemperatur:
Hund: 37,5°C - 39,0°C (Welben bis 39,5°C)
Katze: 38,0°C - 39,3°C (Jungkatzen bis 39,5°C)

 
Atemfrequenz:

Optisch durch das heben und senken des Brustkorbes zu beobachten, bei sehr flacher Atmung kann auch ein Spiegel oder ein Haarbüschel vor die Schnauze gehalten werden. Achtung, sog. Bauchatmung!
Normalwerte:
Hund: 20 - 30 Atemzüge / Minute
Katze: 20 - 30 Atemzüge / Minute

 
 

2. Fixieren des Patienten:

 
Hund im Stehen:

(Hund schaut nach rechts) Mit der linken Hand unter dem Bauch durchfassen, und den Körper des Hundes an den eigenen drücken. Mit dem rechten Arm unter dem Hals durchgreifen, und auch zum eigenen Körper drücken.

 
Katze im Stehen:

(Katze schaut nach links) Die linke Hand greift von unten an den Hals, die rechte umgreift von oben den Brustkorb. Mit dem rechten Unterarm / Ellenbogen wird der Katzenkörper an den eigenen gedrückt. Evtl. können mit der rechten Hand noch die Vorderpfoten fixiert werden.

 
Hund im Sitzen:

Rechte Hand umgreift den Brustkorb, die linke Hand greift über den Rücken zur Schulter (Brust), während der Ellenbogen ca. an der Hüfte anliegt.

 
Katze im Sitzen:

Entweder wie Hund, oder Katze mit Rücken zur Hilfsperson. Eine Hand greift unter den Brustkorb, die andere fixiert den Kopf am Hals.

 
Hund und Katze im Liegen:

Mit dem Rücken zur Hilfsperson. Mit beiden Armen über das Tier greifen, und das jeweils untenliegende Bein am Handgelenk halten. Mit den beiden Ellenbogen auf Hüfte und Schulter (evtl. Hals) durch das eigene Körpergewicht fixieren.

 
Hochheben von kl. Hunden und Katzen:

Ein Arm von unten um den Hals an den Brustkorb, der andere am Becken.

 
Hochheben von großen Hunden:

Das stehende Tier "umarmen", so dass es zwischen den Armen steht, und anheben.

 
Basteln einer Trage:

Am besten eignet sich eine Decke, die unter das Tier gezogen wird. Je eine Person nimmt immer zwei Enden.

 
Hund fixieren des Fanges:

Mit der einen Hand die Schnauze von unten umfassen, mit der anderen den Kopf von hinten halten.

 
Basteln eines Maulkorbes:

In eine breite Binde (ausreichend lang!) etwa in der Mitte eine Schlaufe binden, und diese dem Hund um den Fang legen, so das der Knoten oben ist. Die beiden Enden noch mal unter dem Fang verknoten, und dann hinter den Ohren im Nacken zubinden.

 
 

3. Verletzungen der Haut:

 
Abschürfungen:

Meist verschmutzte, haarlose, leicht blutende und nässende Stellen, bei denen das Tier schmerzhaft reagiert, z.B. bei Unfällen auf Asphalt.
Maßnahmen:
Lecken verhindern (Maulschlinge, einbinden ...)
Blutstillung
Wundreinigung und Desinfektion.

 
Risswunden:

Ungenaue Wundränder, meist mit Wundhöhlen und Triangeln, selten starke Blutungen.
Maßnahmen:
Lecken verhindern (Maulschlinge, einbinden ...)
Blutstillung
Wundreinigung und Desinfektion.
Verband.

 
Schnittwunden:

Scharf geschnittene Wundränder, oft tief und klaffend, stark blutend.
Maßnahmen:
Lecken verhindern (Maulschlinge, einbinden ...)
Blutstillung
Wundreinigung und Desinfektion.
Verband.

 
Bisswunden:

Manchmal nur lochartig (Fangzähne), jedoch können auch größere Hautteile herausgerissen werden. Achtung, auch bei klein erscheinenden Verletzungen kann das darunter liegende Gewebe stark verletzt sein.
Maßnahmen:
Lecken verhindern (Maulschlinge, einbinden ...)
Blutstillung
Wundreinigung und Desinfektion.
Verband.

 
 

4. Verletzungen des Auges:

 
Hornhautverletzungen:

Anzeichen:
Zukneifen des Auges;
vermehrter Tränenfluss;
kratzen und reiben am Auge mit den Pfoten;
sichtbare Verletzungen; Trübungen auf der Hornhaut.
Maßnahmen:
Unbedingt reiben und kratzen verhindern;
nichts ins Auge einbringen! (Augensalbe ...);
Abdunkeln (Katzenkorb, Auto)

 
Fremdkörper im Auge:

Anzeichen:
Zukneifen des Auges;
vermehrter Tränenfluss;
kratzen und reiben am Auge mit den Pfoten;
sichtbarer Fremdkörper.
Maßnahmen:
Lose Fremdkörper herausspülen (Augenwasser aus Apotheke)
Unbedingt reiben und kratzen verhindern;
nichts ins Auge einbringen! (Augensalbe ...); Abdunkeln (Katzenkorb, Auto)

 
Blutungen am Auge:

Blutungen aus dem Auge sind meist sehr stark (pulsierend) und traumatischem Ursprung (Rauferei, Unfall ect.).
Maßnahmen:
Bei starken Blutungen Druckverband mti einem angefeuchteten Tupfer;
reiben oder kratzen verhindern;
abdunkeln.

 
Augapfelvorfall:

Bes. bei prädestinierten Rassen mit kurzen Schnauzen (Mops ...) z.B. nach einem Sturz. Ein Augapfel ist aus dem Schädel gefallen und ist komplett zu sehen.
Maßnahmen:
Abdecken mit einem feuchten Tuch;
reiben oder kratzen verhindern;
abdunkeln.

 
 

5. Verletzungen des Ohres:

 
Ohrrandverletzungen:

Meist durch Raufereien, gehen fast immer mit starken Blutungen einher, deren abklingen durch unentwegtes Schütteln und kratzen unmöglich wird.
Maßnahmen:
Verhindern von kratzen und schütteln (festhalten);
Ohrverband; Kopfverband.

 
Othaematom:

Anschwellen der Ohrmuschel. Die Ohrmuschel füllt sich mit dem Blut aus geplatzten Gefäßen.
Maßnahmen:
Verhindern von kratzen und schütteln (festhalten);
kühlen;
Ohrverband; Kopfverband.

 
 

6. Nasenbluten:

 

Die Ursachen können sehr unterschiedlich sein,
Äußere Verletzungen des Nasenspiegels;
Verletzungen, Entzündungen oder auch Tumore im Naseninneren;
Verletzungen, Entzündungen oder auch Tumore im Rachenraum;
Verletzungen, Entzündungen oder auch Tumore in der Lunge;
Überanstrengung
Blutgerinnungsstörungen (auch bei Rattengift)
Maßnahmen:
Bei leichten Blutungen die Nase vorsichtig waschen, um zu sehen woher die Blutung kommt. Bei Blutungen aus dem Naseninneren einen Eisbeutel auf den Nasenrücken legen und Aufregung vermeiden.

 
Verletzungen der Brustwand:

Immer genau begutachten. Je nach Verletzungstiefe und Verletzungsart könnte auch die Brustwand geöffnet sein.
Anzeichen:
Stark veränderte Atmung (schnell, flach, Bauchatmung);
Atmung durch die Brustwand ist hörbar (ansaugen der Luft);
Die Luft kann sich auch unter der Haut sammeln und dort zu einer Schwellung führen, bis zum "aufquellen" des ganzen Tieres. Bei Druck kann man die Luft unter der Haut knistern hören.
Maßnahmen:
Sterilen Tupfer oder zumindest ein sauberes Tuch auf die Wundöffnung legen. Darüber ein Stück Folie oder Tüte, das mit der Haut verklebt wird.
Brustverband anlegen.

 
 

7. Verbände

 
Pfotenverband:

Zwischenraum polstern. Mit Verbandswatte bis über das nächste Gelenk wickeln. Verbandswatte mit Haftbinde umwickeln, jedoch nicht über die Watte hinwegwickeln (abschnüren). Mit Pflaster im Fell verkleben.

 
Ohr und Kopfverband:

Evtl. Blutungen erst mit einem Tupfer stillen. Kopf mit 1. Lage Polsterwatte umwickeln. Ohrmuschel nach oben umklappen. Evtl. mit Tupfer und Pflaster fixieren. Mit Watte fertig umwickeln. Mit Haftbinde fixieren.

 
Verbände an Bauch und Brust:

Wunde abdecken. Bauch / Brustwand breitflächig einbinden. Die Binde von Anfang an mit Heftpflaster fixieren (sog. angeklebter Verband). Achtung, nicht die Atmung behindern !

 
Druckverband:

Verbandpäckchen, Mullbinde, Stoff oder ähnliches auf die Wunde legen. Sicher mit einer Binde (Haftbinde) fixieren. Mit Pflaster im Fell festkleben.

 
Bei sehr starken Blutungen:

Kann eine Blutung an den Gliedmaßen oder an der Tute nicht durch einen Druckverband unter Kontrolle gebracht werden, muss oberhalb der Wunde abgebunden werden. Die Staubinde sollte nie länger als 10 Min. angezogen bleiben. Dann die Binde lösen und bei erneuter Blutung noch einmal anlegen.

 
Anbringen einer Beinschiene:

Bein gut mit Verbandwatte oder Stoff polstern. Erst dann die Schiene (Holz, Pappe) anbringen und mit Pflaster fixieren.

 
 

8. Schock:

Beim Schock kommt es zur Unterversorgung von lebenswichtigen Organen (Hirn, Lunge) mit Blut, und damit zu deren Funktionsverlust.
Schock kann entstehen durch:
Herzversagen;
Flüssigkeitsverlust / Blutverlust
Schwerwiegenden bakteriellen Infektionen (Blutvergiftung)
Allergischer Reaktion
Neurogen (infolge starker Schmerzen, Schädelverletzungen)
Symptome:
Erbrechen; Erhöhte Herz-/Pulsfrequenz; Temperaturabfall; erhöhte Atemfrequenz; Kreislaufversagen; Schwindel / Ohnmacht.
Maßnahmen:
Das Tier in Seitenlage bringen (bei bewusstlos / taumeln); Kopf strecken, Atmung ermöglichen; Hinteren Körperteil höher lagern; Wärmen (Decke); Beruhigen des Tieres.

 
 

9. Reanimation:

 
Beatmung:

Mund zu Nase, Schnauze geschlossen halten.
Normale Atemfrequenz 20 / Min. also ca. 1 x alle 3 Sek.
Erst einen Atemstoß geben, dann die Atmung neu überprüfen;
Auch die Zunge herausziehen und in die Nase zwicken können die Atmung wieder einsetzen lassen.

 
Herzmassage:

Unterhalb des linken Ellenbogens (zwischen der dritten und der sechsten Rippe) 10 schnelle Druckmassagen hintereinander (ca. je 2 / Sek.). Dann Herzschlag erneut überprüfen.

Die Reanimation von Herz und Lunge sollte von zwei Helfern gleichzeitig durchgeführt werden. Ist das nicht möglich, werden erst 10 Herzmassagen, danach zwei Beatmungen empfohlen.

 
 

10. Hitzschlag

 

Ursachen:
Hunde und Katzen können nicht schwitzen wie Menschen, sondern haben nur an den Pfoten Schweißdrüsen. Sie können die Körpertemperatur außer durch schwitzen noch durch hecheln regulieren (bis zu 400 Atemzüge in der Minute).

Schon ab 40°C treten Kreislaufbeschwerden auf (Achtung, Schock) und schon ab 43°C herrscht akute Lebensgefahr für das Tier!
Maßnahmen:
Tier an einem kühleren Ort bringen (Keller, Schatten ...);
Das Tier mit kaltem Wasser besprühen (von den Hinterbeinen über den Rücken, zuletzt den Kopf);
Wenn kein fließendes Wasser vorhanden, Tier nass machen, oder wenigstens mit feuchten Tüchern abdecken;
Evtl. in ein Handtuch gewickelten Eisbeutel in den Nacken legen.

 
 

11. Verbrennungen:

 

Je nach Größe vorsichtig reinigen und dann mit einem feuchten, sterilen Tupfer abdecken; einbinden; evt. mit Wasser kühlen; keine Salben anwenden, keine Butter oder Öle auftragen!
Die Brandblasen nicht aufstechen.
Lecken verhindern.

 

11. Magendrehung (Hunde):

Betroffen v. a. Hunde großer Rassen (Dogge, Schäferhund ...)
Ursachen:

Hunde die mit vollem Magen spielen oder toben.
Dabei dreht sich der Magen um seine eigene Achse, und der Magenein- und Magenausgang werden abgeschnürt. Das Volumen des Mageninhaltes wird durch die Gase der Verdauungsbakterien deutlich mehr. Der Magen bläht sich auf und unterbindet u. a. die Blutzufuhr für Leber und Milz.
ACHTUNG Schockgefahr.
Symptome:
Speicheln, erfolgloses Erbrechen;
Bauch füllt sich mit "Luft" und wird immer größer;
Bauch klingt hohl;
Atemnot;
Kreislaufversagen
Maßnahmen:
Kreislaufkontrolle;
Hund warm halten (Decke);
Bei bereits ausgesetzter Atmung, Schock kann das Magenvolumen durch Punktion mit einer Nadel verkleinert werden (Luft ablassen). Das sollte jedoch wirklich nur im aller äußersten Notfall geschehen !